Frühling - Die neue Welt
Jede Geschichte braucht ihren Anfang
Ein neuer Tag brach in Fanyona, der neuen Welt, an. Der Himmel zeigte überall das gleiche spektakuläre Farbenspiel aus Blau, Rosa, Orange und Rot, über dem großen Waldgebiet, in dem an vereinzelten Stellen noch Schnee lag, wie über den Dünen der Wüste, über dem fruchtbaren Dschungel, wie über der trockenen Steppe. Vor allem hoch oben in den Bergen war der Sonnenaufgang ein Erlebnis, der Schnee, der hoch oben noch lag, reflektierte das Farbenspiel, man hatte das Gefühl, über einen Regenbogen zu laufen. Es war, als wollte der Sonnenaufgang alle neuen Einwanderer willkommen heißen, denn nur über die Berge konnte man nach Fanyona gelangen.
Fynora lief, kletterte und sprang den felsigen und schneebedeckten Pfad hinauf. Es war ein anstrengender Weg und sie war schon seit Wochen unterwegs, doch der zierlichen Pantherkatze gelang es, sich mit ihrer Vorfreude auf das fremde Land von ihrer Erschöpfung abzulenken.
Wie viele Lebewesen leben dort wohl schon? Hoffentlich einige, die sich gerne unterhalten...
Es war sehr kalt, jedes Mal, wenn Fynora ausatmete, bildete sich eine kleine Wolke vor ihrem Gesicht. Auch deshalb gönnte sie sich keine Pause, ohne die ständige Bewegung wäre sie gewiss erfroren. Das kurze Fell einer Dschungelkatze war einfach nicht für diese Temperaturen geschaffen.
Es war schon hell, doch die Sonne verbarg sich noch hinter einem Berggipfel und wärmte Fynoras Pelz noch nicht.
Endlich erreichte sie die höchste Stelle des Bergpfades und sah zum ersten Mal Fanyona.
Der Schnee um sie herum glitzerte in den Farben des Sonnenaufganges, Fynoras schwarze Gestalt bildete einen Kontrast dazu.
Der Blick der türkisen Augen wanderte erstaunt und bewundernd über das hellbraune Land direkt vor hier und blieb schließlich an dem weit entfernten dunkelgrünen Streifen hängen.
Ein Dschungel!
jubelte sie innerlich und machte vor Freude einen Hüpfer, die orangene Feder an ihrem Ohr baumelte hin und her. Fynora liebte Regenwälder, nirgendwo sonst gab es ihrer Meinung nach so viel Leben. Aber was war der beste Weg dorthin?
Sie sah wieder auf die große hellbraune Land und wunderte sich. Erst als sie die Augen zusammenkniff und genau hinsah, erkannte sie was es war, nämlich Sand.
Wüste...
Ein mulmiges Gefühl überkam die Schwarze. Sie hatte noch nie eine Wüste gesehen und hatte auch noch nie eine durchquert. Aber verschiedene Tiere, hauptsächlich Vögel, hatten ihr davon erzählt, von den heißen Tagen und den bitterkalten Nächten, vom Wasser- und Nahrungsmangel. Aber es half alles nicht. Sie wollte das Land hinter dieser Wüste erreichen, den Dschungel, sie wollte andere Tiere treffen, auch Artgenossen, und mit ihnen gemeinsam diese wunderschöne Welt erkunden.
Fynora zuckte mit den Schnurrhaaren und prüfte die dünne und kalte Bergluft nach der Witterung einer möglichen Gefahr, dann machte sie sich an den Abstieg.
[auf einem Bergpfad nördlich der Wüste, alleine]
Maraya blickte zu der Anhöhe, die sie angesteuert hatte, auf. Sie war nur noch wenige Schritte von ihrem höchsten Punkt entfernt, doch jeder dieser Schritte war quälend und ihre Brust schmerzte von der kalten Luft in ihren Lungen. Ihr Fell war kalt und feucht und sie zitterte am ganzen Körper.
Nur noch ein paar Schritte...
Die Narbe an ihrem Hinterlauf schmerzte schon seit einigen Meilen, doch jetzt, wo das Ziel so nah war, durfte sie um keinen Preis aufgeben. Sie sammelte noch einmal und zog sich mit letzter Kraft auf die Plattform. Gepannt blickte sie sich erregt um.
Vor ihr erstreckte sich eine unendlich rießige und weite Sandwüste und hinten, weit weg am Horizont konnte sie einen schmalen, dunkelgrünen Streifen sehen. Entmutigt ließ sie die Ohren hängen. In der Wüste würde es zwar, zumindest tagsüber, nicht mehr so kalt sein, doch sie schien unüberwindlich und der Dschungel unerreichbar. Sie fragte sie niedergeschlagen, wie sie das wohl schaffen sollte.
Denk doch nicht so! Du hast es bis hierher geschafft, wieso nicht auch noch die letzten Meilen bis zum Glück?
Sie schalt sich selbst für ihren Pessimissmus und richtete sich auf. Sie versuchte sich während ihrer kleinen Rast ein wenig abzulenken. Ob sie wohl bald auf Artgenossen treffen würde? Würden diese sie auch akzeptieren, obwohl sie eine Zeit lang unter Menschen leben musste? Sie schüttelte den Kopf um alle schlechten Gedanken daraus zu vertreiben.
Kümmere dich nicht um das häuten unerlegter Beuten
hatte ihre Mutter immer gesagt und wahrscheinlich traf das auch zu. Ein letztes Mal holte sie tief Luft und machte sich an den Abstieg in die braune Ungewissheit.
[auf einer erhöhten Platform am Ende des Gebirges, nördlich der Wüste, alleine]
Dunkelheit. Kälte. Schnee. Eisiger Schnee, und es schien, als würde er von Sekunde zu Sekunde, von Minute zu Minute kälter werden.
So kalt, dass man sich am liebsten einfach hinlegen und einschlafen würde, nur um die Kälte endlich nicht mehr zu spüren, wenn man nicht wüsste, dass man nicht wieder aufwachen würde. Es war noch Nacht, der Himmel war wolkenverhangen und grau.
Zwei Wochen. Geschlagene zwei Wochen war er nun schon unterwegs, und hier oben fand man kaum etwas fressbares.
Der Pfad, dem der schwarze Kater bisher gefolgt war, war so unbeschwerlich, das er an liebsten wieder umgekehrt wäre. Im Vergleich zu den ebenen und immerhin einigermaßen warmen Straßen in der Stadt, aus der er kam, war das hier so ziemlich das genaue Gegenteil. Dort hatte man nur etwas in den Kisten, in den die Menschen immer eigentlich noch recht intaktes Zeug reinwarfen, wühlen müssen, und man hatte etwas gefunden. Auch Mäuse oder Ratten zu fangen war dort nicht schwer gewesen.
Aber in dieser.. Eiswüste.. Grauenhaft. Und es war immer noch kein Ende in Sicht. Ganz abgesehen davon, dass er zwischen dem ganzen Weiß die perfekte Zielscheibe für Wer-Weiß-Nicht-Was bildete. Das einzige, was ihn daran hinderte aufzugeben, war das, was er hinter dem Gebirge erwartete. Fanyona. Das Legendäre Land, von dem er schon so viel gehört hatte.
Irgendwann erreichte der Kater eine Art Felsvorsprung, unter dem - welch ein Wunder - kein Schnee lag, und der sich bei genauerem Hinsehen als Eingang zu einer kleinen Höhle entpuppte.
Mit leisen Schritten tapste er darauf zu und kroch in das Höhlenartige Gebilde, wo er sich dann zusammenrollte.
Nur eine kleine Pause. Nur etwas ausruhen..
Leicht blinzelnd schlug das Tier die Augen auf. Dann fuhr es hoch - war er etwa eingeschlafen? Sein Körper fühlte sich etwas steif an, aber lange konnte es nicht gewesen sein. Glücklicherweise. Er durfte nicht mehr so unvorsichtig sein und sich seiner Müdigkeit hingeben.
Immerhin hatte er noch etwas Winterfell, was ihn vor der Kälte schützte - ihn aber leider nicht immun dagegen machte. Er hasste Kälte nunmal.
Aber was nun? Wie lange würde es noch dauern, bis er endlich ankommen würde? Allzu lange würde er diese Kälte sicherlich nicht ertragen. Oder ertragen wollen.
Er konnte nur hoffen, dass das, was danach kam, besser war. Wobei es allzuviel schlimmer eigentlich gar nicht mehr werden konnte.
Denn abgesehen von Kälte gab es nicht besonders viel, was noch schlimmer war.
Aber es würde schon alles wieder werden. Musste es. Er musste nur durchhalten, weiterlaufen...
Schwerfällig erhob sich der Kater und tapste auf den Ausgang der Höhle zu. Als er den Kopf hinaus streckte, sah er ein wunderschönes Farbenspiel am Himmel, Farbtöne von rosa bis blau überzogen den Himmel und kündeten einen schönen, klaren Frühlingsmorgen an. Nur leider merkte man hier oben von dem Frühling nicht allzu viel.
Mit einem kleinen Satz sprang Funke aus der Höhle, sah kurz den Pfotenabdrücken, die zu ihm führten hinterher, drehte sich dann um und lief weiter den Pfad entlang. Richtung Sonnenaufgang. Richtung Fanyona.
Mamori tappste langsam den Berg hinauf.
Anfangs war er die steilen Felsen noch hinauf gesprungen, aber jetzt war es nurnoch sein Ziel irgendwie die Bergspitze zu erreichen.
Schleppend gelangte er über schmale Bergpfade seinem Ziel immer näher.
So eine eisige Kält hatte er noch nie erlebt...
Wie viel Zeit war nur vergangen nach dem Verlassen der Steppe?
Sollte Fanyona seine ganzen Mühen wirklich wert sein, oder würde er hier oben gar verhungern, oder erfrieren?
Gott sei Dank war sein Körper ein wenig füllig, was ihn nicht so schnell abmagern lies.
Als dann auch noch ein kalter Nebel aufkahm, konnte er kaum noch etwas sehen und verkrochen sich für kurze Zeit zwischen zwei Felswenden.
Als er wieder einigermaßen etwas sehen konnte, machte er sich weiter auf den Weg.
Erschöpft starrte er auf den Boden vor sich, das war ein miese Gefühl, überall nur weiß zu sehen, wie sollte er sich da nur orientieren?
Doch plötzlich sah er vor sich eine nurnoch schlecht zu erkennende Fußspur.
War hier etwa vor ihm schon ein Tier gewesen?
Wieder ein wenig aufgemunterter folgte er der Spur.
Mit der Eleganz ihrer Rasse kletterte Fynora den steilen Weg hinunter, sie ignorierte die Schmerzen an ihren Pfoten, die die besonders scharfkantigen Steine verursachten, welche unter dem Schnee versteckt waren. Nebenher bewunderte sie den wunderschönen Sonnenaufgang mit seinen vielen Farben. Eigentlich zog sie ja die Schwärze und Stille der Nacht vor, doch dies hier war ein Schauspiel, dass wohl niemanden kalt ließ, vor allem nicht die leicht zu beeindruckende Pantherkatze.
Das Leben ist so schön...
dachte sie und lachte. Es war ein bezauberndes Lachen, voller Lebensfreude und Dankbarkeit für alles, ihr Leben, das Leben der kleinen Blume, die dort vor ihr wuchs und der Kälte trotzte, das Leben des Bussards, der hoch oben am Himmel kreiste, sogar für die Kälte war sie dankbar, weil die feuchte Wärme des Dschungels für Fynora ab sofort noch wunderbarer sein würde. Ja, das Leben war wirklich schön, vor allem in dieser Welt würde es gewiss wundervoll werden.
Plötzlich zuckten die Schnurrhaare der Schwarzen aufgeregt, ihr Schwanz peitschte hin und her, während sie in die Luft schnupperte. Der Wind trug einen Geruch heran, auf den sie insgeheim schon gehofft und gewartet hatte. Der Geruch eines anderen Katzenwesens.
Fynora folgte diesem Duft aufgeregt, er führte sie bis zu einem großen Felsen, fast fünfmal so hoch und breit wie ihr schlanker Körper. Hier war der Geruch sehr stark, die andere Katze konnte nicht weit sein. Beinahe zitternd vor Aufregung schlich Fynora um den Felsen herum.
- Und sah direkt in zwei topasfarbene Augen.
Einen Moment lang dachte Fynora, sie würde in einen See mit spiegelglatter Oberfläche sehen und es wäre ihr Spiegelbild, dass ihr entgegenblickte. Dann fielen ihr die vielen Unterschiede auf. Zum Einen war die Pantherkatze vor ihr noch ein bischen kleiner als sie selbst. Offenbar war es ein Jungtier. Dann waren die Augen, die ihr entgegenfunkelten, nicht türkis, sondern topasfarben. Es waren sehr schöne Augen, wie Fynora auffiel. Und dann war da noch der weiße Halbmond auf der Stirn, der sich vom schwarzen Fell so deutlich abhob wie ein Stern vom Nachthimmel.
Fynora blinzelte, immer noch ein bisschen überrascht, und lächelte ihr Gegenüber freundlich an.
"Hallo. Wer bist du denn? Oh, entschuldige, vielleicht sollte ich mich erstmal vorstellen, bevor ich dich nach deinem Namen frage. Ich bin Fynora."
[Auf einem Bergpfad nördlich der Wüste | Maraya]
Maraya erschrak. Sie war so in Gedanken versunken gewesen, dass sie gar nicht wahrgenommen hatte, dass sich ihr ein anderes Lebewesen genähert hatte. Aber sich jetzt noch darüber zu ärgern half nichts. Zeit zum Weglaufen bleib ihr auch keine mehr. Sie wirbelte herrum.
Langsam löste sich ein Schatten aus der Dunkelheit. Es war ebenfalls eine Raubkatze, aber nicht nur irgendeine - es war ein schwarzer Panther! Maraya starrte die fremde Schönheit an. Nie zuvor hatte sie eine andere Pantherkatze außer sich und die alte Zerànuya gesehen. Die junge Raubkatze betrachtete die Fremde genauer. Viel war von ihn zwar nicht zu sehen, denn ihr schwarzes Fell verschmolz mit dem Schatten. Doch im starken Kontrast dazu standen ihre Augen, die in einem strahlendem Türkisblau leuchteten und die merkwürdige orangene Feder, die von ihrem Ohr baumelte.
Die kleine Schwarze beruhigte sich ein wenig, denn Fynora strahlte eine Offenheit und Warmherzigkeit aus, wie sie es selten von anderen Tieren erlebt hatte. Und sie erinnerte sie an etwas. Aber an was, konnte Maraya nicht sagen. Ihre Stimme zitterte ein wenig und ihre letzte Frage klang unbeabsichtigt etwas schroff, als sie antwortete.
M-Mein Name ist Maraya und ich bin auf dem Weg in das sagenumwobene Land Fyona. Was machst du hier?"
[Auf einem Bergpfad nördlich der Wüste | Fynora]
Mamori folgte weiterhin tapfer der nun nurnoch kaum sichtbaren Spur. Wo würde diese ihn nur hinführen? Durch den Nebel war es schwer geworden, etwas zu erkennen.
Doch was war das? Mehrere helle Lichtstrahlen fielen auf sein Fell und der Nebel löste sich langsam auf.
Als er dann die letzte Nebelwolke hinter sich gelassen hatte, verschlug es ihm den Atem. Vor ihm erstreckte sich nicht irgendein Land, sondern DAS Land, Fanyona. Und was war das? Die Steppe lag nicht so weit von ihm entfernt, jedenfalls schien sie nicht so weit entfernt zu liegen, doch eine große Wüste trennte ihn noch von der Steppe.
Er ließ seinen Blick über den Bergabhang vor ihm schweifen und sein Blick blieb an zwei nicht allzu kleinen schwarzen Punkten hängen. Wahren dies etwa andere Tiere?
Mit gewagten Sprüngen gelangte er immer näher an die beiden und konnte jetzt sogar schon zwei Katzengestalten erkennen, doch kurz vor dem Ziel hielt er inne. Eigentlich war er doch ein Einzelgänger. Sicherlich würde er sich mit den beiden Panthern nicht gut verstehen, bestimmt wahren sie genau so, wie die anderen Tiere, die er kannte.
Langsam machte er ein paar Schritte zurück. Doch es kahm nicht zu einer wirklichen Entscheidung, er rutschte auf einem Ast aus und kugelte das restliche Stück Abhang hinunter.
Mit schmerzverzerrtem Gesicht richtete er sich auf und schaute direkt in zwei topasfarbene Augen. Erschreckt wich er zurück und stieß gegen etwas weiches. Wiederum drehte er sich und blickte nun in türkisfarbene Augen.
Verwirrt schaute er die beiden schwarzen Panther an und musterte die beiden.
Die eine war eher klein und schmal gebaut, auf ihrer Stirn war ein weißer Halbmond sichtbar, die andere war auch nicht viel größer, wirkte aber auf irgendeine Weise erhaben, in ihrem Ohr steckte eine orangefarbene Feder.
Nur um die peinliche Stille zu überbrücken nuschelte er:
"Mein Name ist Mamori."
Maraya guckte den Fremden halb belustigt, halb neugierig an. Von ihm ging eine Unsicherheit aus, die er mit einem schroffen Auftreten verdecken zu versuchte. Aber ernsthaft böse schien er nicht zu sein und das beruhigte sie ungemein.
"Hallo Mamori, ich bin Maraya. Ich bin vor den Menschen geflohen und nun bin ich seit Wochen auf der suche nach dem Land Fanyona, von dem mir die alte und weise Zerànuya erzählt hat."
Die kleine Pantherdame wunderte sich insgeheim über das Selbstvertrauen in ihrer Stimme und über die Leichtigkeit, mit der ihr diese Wörter über die Lippen kamen. Was war nur los mit ihr? Irgendwie konnte sie an diesen besonderem Ort frei und ohne Furcht sprechen.
Lag ein Zauber über diesem Land, dass die Tiere friedlich und gelassen stimmte und ihnen die Furcht ein wenig nahm? Oder war es die Hoffnung, auf ein neues Leben? Aber vielleicht lag es auch an Fynoras Nähe. Obwohl sie die Pantherdame erst seit wenigen Augenblicken kannte, fühlte sie sich in ihrer Nähe sicher und geborgen. Sie fühlte sich fast so, als ob sie einen alten Freund wiedergefunden hätte, den sie früher einmal gehabt hatte.
Die Schwarze wollte Maraya gerade antworten, als etwas Geflecktes direkt neben ihr landete. Fynora wäre vor Schreck fast auf den nächsten Baum geflüchtet, als ihr auffiel, dass es hier gar keine Bäume gab. Zu schade, sie würde gern einmal wieder raue Baumrinde unter den Pfotenballen spüren.
Sie erholte sich aber schnell von ihrem Schrecken, als sie bemerkte, dass das gefleckte Etwas ... noch ein Artgenosse war! Fynora sah den Leoparden begeistert an, die Katzen und Kater regneten hier ja fast vom Himmel! Sie kicherte über diesen Gedanken, und das Kichern wurde zu einem lauten Lachen, als der Leopard vor Maraya zurückwich, gegen Fynora prallte und sie so wunderbar verwirrt ansah. Ihr fielen sogleich seine verschiedenfarbigen Augen auf, so etwas hatte sie noch nie gesehen, wirklich faszinierend.
Sie schenkte Mamori ein breites Lächeln, als er seinen Namen sagte. Fynora dachte keinen Augenblick an eine mögliche Gefahr, die von ihm ausgehen könnte. So war sie nun einmal, sie sah in jedem nur das Beste. Anders wollte sie auch nicht sein, auch wenn sie dadurch schon öfters in gefährliche Situationen geraten war. Aber die Schwarze dachte selten an unangenehme Ereignisse, die Schönen waren viel...nun ja, schöner.
"Sei gegrüßt Mamori. Möge die Sonne deinen Tag erhellen!"
grüßte sie freundlich. Sie benutzte eine Art Begrüßungsformel, die sie von einem Steppenfuchs gelernt hatte. Ihr Gegenüber kam ihr vor wie ein Steppentier, vielleicht war ihm dieser Spruch ja vertraut. Wenn nicht, dann war es doch zweifellos eine freundliche Begrüßung, die den nervös und verlegen wirkenden Mamori vielleicht beruhigen würde.
"Mein Name ist Fynora, ich bin, wie ihr wohl auch, auf dem Weg nach Fanyona. Ich wollte Artgenossen treffen, dieser Wunsch hat sich, wie man sieht, schon erfüllt."
Sie musterte Mamori und Maraya noch einmal genau. An Maraya blieb ihr Blick wieder lange hängen. Sie hatte noch nie jemanden getroffen, der ihr so ähnlich sah.
[Auf einem Bergpfad nördlich der Wüste | Mamori und Maraya]
Neugierig tappste Mamori um Fynora und Maraya herum. Ob die beiden wohl zusammen gekommen waren? Prompt fragte er.
"Habt ihr euch gemeinsam auf den Weg nach Fanyona gemacht?"
Misstrauisch bemerkte er Fynoras faszinierten Blick. Ob sie wohl noch auf andere Tiere treffen würden?
Die Beudeutung des Wortes "Menschen" war ihm unbekannt. Er hatte zwar schon einmal davon gehört, aber so richtig etwas damit anzufangen wusste er nicht. Ob Fynora und Maraya wohl schon genauso lange, wie er auf dem Weg wahren? Mit festen Schritten machte er sich auf den Weg in Richtung Wüste. Es war sein Ziel, möglichst schnell dort anzukommen, doch es würde gewiss noch ein hartes Stück Arbeit bis zur Steppe sein.
Er wurde von Schritt zu Schritt schlapper. Eben war er noch durch eisige Nebel gewandert und plötzlich erwärmte die pralle Sonne sein Fell, das würde sein Kreislauf nicht mehr lange mitmachen, solche Temperaturschwankungen war er nicht gewohnt.
Maraya blickte tief in Fynoras beeindruckende türkisene Augen. Als Fynora sie auch ansah blickte sie nicht weg. Sie konnte das gleiche Erstaunen in den Augen der älteren schwarzen lesen. Anscheinend gab es wirklich nicht viele Schwarze in dieser Welt... Schließlich schaffte sie es, ihren Blick abzuwenden und beantwortete Mamoris Frage.
"Nein, wir haben uns vor wenigen Momenten getroffen - zufällig. Wenngleich es ein merkwürdiger Zufall ist..."
Verwirrt blickte sie sich nach Mamori um. Plötzlich war er verschwunden. Wieso stellte er eine Frage und lief ohne auch nur eine Antwort abzuwarten davon? Maraya war verwirrt.
"Mamori?"
Sie rief seinen Namen und hörte eine leise Antwort aus dem Nebel vor ihnen herraus. Die Pantherdame mit den topasfarbenen Augen ließ einen tiefen Seufzer hören, und wandte sich Fynora zu.
"Ich würde mich jetzt noch viel lieber ein wenig mit dir unterhalten, aber ich füchte, das müssen wir auf später verschieben... Ich weiß nicht, wieviele Bruchlandungen der vorherigen Art er noch überleben wird - außerdem scheint er ein ziemlicher Hitzkopf zu sein - besser wir folgen ihm."
Mit diesen Worten machte sie kehrt und folgte dem Leopard mit großen Schritten - naja, so große Schritte, wie es eben bei ihrer geringen größe möglich war.
Was für eine merkwürdige Situation. Hier stand sie in dem Land, von dem sie so lang geträumt hatte, mit zwei Artgenossen, von denen einer...ja, was war Maraya? Was hatte diese Jungkatze an sich, das Fynora so verwirrte? Es konnte nicht nur die ähnliche Fellfarbe und Gestalt sein, irgendetwas...war da, ein Hauch von Vertrautheit, eine schwache Spur der Vergangenheit.
Einen Augenblick lang dachte die Schwarze, sie hätte die Antwort gefunden, doch im nächsten Moment, als Mamori sie mit seiner Frage aus ihren Gedanken riss, wusste sie schon nicht mehr, woran sie gedacht hatte.
Sie blinzelte verwirrt und brauchte einen Moment bevor das Reale sie wieder ganz erreichte. Fynora sah dem hitzköpfigen Leoparden genau so verdutzt nach wie Maraya, dann musste sie kichern.
"Ja, sonst fällt er noch den nächsten Abhang hinunter, ohne dass unten zwei Katzen stehen, die den Aufprall mildern können."
Vergnügt, aber ein bisschen steifbeinig lief sie neben Maraya her, ihre Gelenke schienen schon von dieser kurzen Pause eingefroren.
Aber mit jedem Schritt spürte die Schwarze, wie es langsam, sehr, sehr langsam wärmer wurde.
Auch der Weg, dem sie folgten, war nicht mehr so steil wie zu Beginn.
[Auf einem Gebirgspfad nördlich der Wüste|Direkt neben Maraya, etwas weiter vorne Mamori]
Die Schneeflocken tanzten ihm um die Ohren, der Wind zerzauste sein langes Fell, doch Mascha Kaléko, der Herzlose, kümmerte sich nicht darum. Er schritt ohne Eile den Weg entlang, seit Wochen schon, und schenkte der Umgebung gerade soviel Aufmerksamkeit wie nötig war um unbeschadet über den Berg zu gelangen. Inzwischen achtete er nicht einmal mehr groß auf die ewig quasselnde Stimme des Menschengeistes. Tony hatte ihm zwar zur Freiheit verholfen und ihn sicher und unentdeckt durch die Menschengebiete gelotst, aber er konnte auch unglaublich nervtötend sein.
/"...Vielleicht treffen wir auch andere Tiger, mit denen du dich anfreunden kannst.
Oh, sieh doch nur, die Sonne geht auf! Die Farben sind wunderschön, findest du nicht auch?"/
Er redete wirklich pausenlos, einfach schrecklich. Was wollte Mascha mit anderen Tigern anfangen? Er wollte doch einfach nur seine Ruhe, in Ruhe leben, in Ruhe jagen, in Ruhe töten, seinen Opfern genüsslich die Kehle aufschlitzen und zusehen, wie das dunkle Blut aus ihnen heraustropfte...
/"Wäääh! Himmel, Mascha, kannst du nicht mal an was Anderes denken? Das ist echt widerlich! Denk doch mal an was Schönes, der Sonnenaufgang hier mit seinen Farben ist doch wundervoll, interessiert dich sowas gar nicht?"/
Mascha spürte eine Welle des Ekels, die ihn wütend schnauben ließen. Am Anfang war er furchtbar verwirrt gewesen, als er plötzlich noch die Empfindungen eines anderen Wesens gespürt hatte. Inzwischen hatte er gelernt, seine eigenen von denen Tonys zu unterscheiden, aber daran gewöhnen würde er sich nie.
"Selber schuld, wenn du in meinen Gedanken herumschnüffelst, ich habe dich nicht darum gebeten. Und was juckt mich der Sonnenaufgang, es wird heller, der Himmel bekommt ein paar Farben, na und? Später geht die Sonne wieder unter und am nächsten Morgen geht das Ganze von vorne los. Ja wirklich, unglaublich spannend!"
grollte der große Tiger mit ausdruckslosem Gesicht. Tony seufzte gequält.
/"Du bist wirklich ein hoffnungsloser Fall, weißt du das? Von allen Tigern, in dessen Schädel ich hätte landen können, muss ich natürlich ausgerechnet zu dir kommen."/
"So? Wieviele Tiger hast du denn noch gekannt?"
/"Außer dir? Äääähm, naja..."/
Er stutzte.
/"Hey! War das gerade ein ironischer Tonfall, mit dem du das gesagt hast? Und das mit dem spannend, das war doch auch ironisch gemeint, oder? Seit wann machst du ironische Bemerkungen? Ha, vielleicht wird aus dir ja doch noch ein Witzbold, mit dem man Spaß haben kann, das wär echt toll, dann..."/
"Wärst du vielleicht mal so freundlich und würdest die Klappe halten?! Hör endlich auf, mich zu nerven, oder ich stell mir eine Jagd vor. Und zwar sehr detailiert!"
fauchte Mascha gereizt. Der Geist des Jungen schwieg beleidigt.
Endlich Ruhe...
Der Tiger war inzwischen ein gutes Stück weitergekommen. Er wusste nicht, wo genau in Fanyona er eigentlich hinwollte, auf jeden Fall erst einmal runter vom Berg, er hatte nichts gegen das Wetter hier, sein Fell schützte ihn vor der Kälte und dem Wind, aber hier war es viel zu steil für so ein großes, schweres Tier wie der Gestreifte es war. Und es gab zu wenig Beute, was das Schlimmste war.
[Im Gebirge, auf dem Weg zum Moor|alleine...fast jedenfalls ;)]
Maraya lief neben Fynora den leicht abfallenden Weg hinunter.
Obwohl bei jedem Ausatmen ein kleines Wölkchen vor ihr Gestalt annahm, wurde es bei jedem Schritt merklich wärmer. Um so länger sie liefen, desto mehr wunderte die Pantherkatze sich.
Wo mag Mamori nur abgeblieben sein? Weit und breit keine Spur von ihm... Ob ihm etwas zugestossen ist?
Sie sagte aber nichts, denn sie wollte gegenüber von Fynora nicht als Feigling oder Schwarzmaler dastehen. Also lief sie schweigend neben der Pantherdame her. Mit jedem Schritt wurde es schwerer, nichts zu sagen, bis sie ihre Worte nichtmehr zurückhalten konnte.
"Fynora? Ich mache mir Sorgen um Mamori. Weit und breit keine Spur von ihm."
Jetzt war es herraus, Fynora würde sie sicher für einen Feigling halten...
[Auf einem Gebirgspfad nördlich der Wüste|Direkt neben Fynora, weiter vorne Mamori]
{Bin Unterwegs
und mich umgibt
ein Duft von Freiheit und See...}
Die Schwarze dachte nicht groß über irgendetwas nach, während sie neben Maraya herlief. Sie genoss die Wanderung auf dem Bergpfad, atmete tief den beruhigenden Geruch ihrer Artgenossin ein und hörte und spürte den Bergwind wehen. An Mamori dachte sie im Moment nicht. Und wenn sie es getan hätte, wäre sie als Letztes auf die Idee gekommen, dass ihm etwas passiert sein könnte. Zumindest nicht, wenn sie allein gewesen wäre.
Doch Maraya war bei ihr, und mit ihren Worten erweckte sie Fynora aus ihrer Sorglosigkeit.
Die Schwarze blieb abrupt stehen und spähte besorgt den Weg hinunter.
"Du könntest Recht haben."
meinte sie beunruhigt. Ihre türkisblauen Augen suchten die felsige Landschaft ab. Doch es war zu unübersichtlich um einen guten Überblick zu haben. Zu viele Felsen, zu viele Kanten. Nun ja, so waren nun mal die Berge. Auch wenn sie auf ihrem Abstieg schon recht weit gekommen waren.
Erst jetzt fiel Fynora wirklich auf, dass sie nicht mehr fror.
Es war wärmer, nicht so warm, wie Fynora es gewohnt war, doch die kräftezehrende Kälte war verschwunden.
Diese Erkenntnis brachte der Pantherkatze wieder etwas bessere Laune.
"Merkst du das auch? Hier ist es schon viel wärmer! Erfrieren wird er immerhin nicht. Aber trotzdem wäre es wohl besser, wenn wir ihn finden würden... Sonst verletzt er sich wirklich noch ernsthaft."
Sie begann, den felsigen Boden zu beschnuppern. Ah, sehr gut, da war eine Duftspur. Fynora hoffte, dass sie sich nicht irrte und das das wirklich Mamoris Geruch war. Sie schenkte ihrer Weggefährtin ein ermutigendes Lächeln und setzte sich in Bewegung.
[Auf einem Gebirgspfad, nahe der Wüste| Maraya]
Mamori öffnete die Augen erst sah er alles verschwommen, doch langsam wurde alles deutlicher.
Mist, er war mit dem Kopf wohl merhmals auf irgendetwas hartes geschlagen, was er aus den Schmerzen folgerte.
Vielleicht hätte er doch nicht so übermütig sein sollen? War er gstolpert und einen Teil des Berges hinunter gestürzt? Das wusste er nicht mehr, doch ein warmer Wind peitschte ihm Sand ins Gesicht, was ganz und gar nicht angenehm war...-Sand?! Mamori drehte sich ruckartig um und blickte einen steilen Abhang hinab, an die 25 Meter tief, der ihn von der anderen Seite der Schlucht noch trennte.
Von dort wurde reichlich Sand hinüber geweht. Die andere Seite der Schlucht lag etwas tiefer, doch mit einem Sprung war es unmöglich hinüber zu kommen... Ratlos blickte Mamori sich um. Wo waren nur seine Gefährten geblieben? -Egal, allein fühlte er sich sowieso wohler, doch zu dritt währen sie wohl auf eine bessere Idee gekommen, als einer allein, also beschloss sich Mamori dazu, sich hinzulegen und sein Fell wärmen zu lassen, was wohl eine gute Idee war, da sein Kopf noch ziemlich schmerzte.
Maraya trabte mit großen Sätzen neben Fynora her. Nun hatte auch sie Mamoris Geruch vernommen und war nicht mehr zu bremsen.
Sie wusste nicht wieso, aber irgendwie wollte sie um jeden Preis verhindern, dass ihm etwas zustieß. Wahrscheinlich hatte sie zu jung zu viele Tiere sterben sehen.
Es wurde immer wärmer, bis es bald beinahe zu warm war. Sie ließ kurz ihren Blick schweifen. Die verschneiten Gesteinsreste hatten waren nun verschwunden, doch an ihrer Stelle waren nun dürre Gräser zu sehen, die die Ballen der beiden zerstachen. Der Himmel war blau und klar, nur hier und da waren noch ein paar dünne Federwölkchen zu sehen.
Mamoris Geruch wurde stärker. Maraya hob den Kopf und schnupperte. Wie besessen von dem Gedanken, ihn wiederzufinden, rannte sie los, wie sie in ihrem Leben noch nie gerannt war.
Fynora wollte sie zwar auch nicht alleinlassen (Maraya hatte immer das Gefühl, sich um alles und jeden Sorgen zu müssen), aber sie würde sich nicht so schnell selbst in Gefahr bringen, wie Mamori.
Wenige Meter vor ihr tauchte plötzlich ein Abgrund auf. Sie versuchte zu bremsen, war aber einfach zu schnell. Hilflos schlitterte sie auf die Schlucht zu.
Sie fiel zurück, als Maraya anfing zu rennen. Fynora sah ihr überrascht und respektvoll hinterher. Wer in diesem jungen Alter schon so ein Verantwortungsbewusstsein besaß, musste bewundert werden.
Fynora rannte Maraya hinterher, schnell genug, um sie nicht aus den Augen zu verlieren. Marayas Sorge steckte sie nun endgültig an.
"Mamori! Mamori, wo bist du?!"
rief sie und sprintete über den von der Sonne aufgeheizten Boden.
Auf einmal bremste sie und blieb wie erstarrt stehen. Mit weit aufgerissenen Augen starrte sie auf den Abgrund, auf den Maraya zulief. Die Zeit schien für Fynora langsamer zu verlaufen. Sie hörte sich selbst eine Warnung brüllen, aber es war zu spät. Die junge Pantherkatze schlitterte über den felsigen Boden.
Fynora wollte losrennen, Maraya packen und von der Schlucht wegziehen, doch sie wusste, dass sie nicht schnell genug bei ihr gewesen wäre. Dann sah sie den Leoparden, der nicht weit weit entfernt vom Abgrund lag und sich anscheinend ausruhte. Hoffnung keimte in Fynora auf, eine verzweifelte Hoffnung.
"Mamori! Mamori, HILF IHR!"
[Nördlicher Beginn der Wüste| Maraya und Mamori]
Mamori schaltete schnell und jagte in Richtung Abgrund. Verzweifelt krallte er sich an Marayas Pfote fest, die das einzige war, was er noch zu fassen bekommen hatte. Mit aller Kraft zog er, doch Marayas Gewicht war zu schwehr. Mit jeder Sekunde rutschte er dem Abgrund näher entgegen, doch es blieb ihm nurnoch eine Chance, Marayas Leben zu retten, er musste irgendetwas finden, an dem er sich festhalten konnte, oder etwas in der Richtung. Fieberhaft suchte er nach etwas dergleichen.
Im nächsten Moment erblickte er einen kleinen Felsvorsprung, an dem er sich festhalten konnte.
Mit aller Kraft versuchte er, Maraya hoch zu ziehen und schließlich gelange es ihm, dass er Maraya fast vollständig hochgezogen hatte. Er packte die Pantherdame im Nacken und zerrte sie die Schlucht hinauf. Puh, das war noch einmal gut gegangen.
[Nördlicher Beginn der Wüste| Maraya und Fynora]
Die Schwarze konnte sich nicht aus ihrer Erstarrung lösen, starrte gebannt auf Mamori und Maraya die mit dem Abgrund kämpften. Erst als die Beiden sicher vor der Schlucht lagen, gehorchte ihr Körper ihr wieder. Sie rannte zu ihnen hin, ihre Beine zitterten immer noch vor Angst, und stubste sie an.
"Mamori, Oh das war so mutig von dir! Es tut mir so leid, ich hätte helfen sollen, aber ich war wie gelähmt! Aber du warst unglaublich!"
Die Worte sprudelten aus ihr heraus und ohne darüber nachzudenken, drückte sie ihre Nase an Mamoris Wange und schleckte einmal quer darüber.
Dann wandte sie sich Maraya zu. Fynora legte sich vorsichtig neben sie, stubste sie mit der Schnauze an und begann schließlich damit, ihr liebevoll wie eine Mutter den Nacken zu abzulecken.
"Alles in Ordnung bei dir? Verletzt hast du dich nicht, oder?
Die Pantherkatze hob den Kopf und sah zu der Schlucht. Sie kniff die Augen zusammen, als der Wind ihr Sandkörner in die Augen wehte. Mit schmalen Augen betrachtete sie den Abgrund und runzelte nachdenklich die Stirn.
"So...Wir sind ja schon weit gekommen, aber wie kommen wir jetzt da rüber?"
Keuchend und mit aufgerissenen Vorderpfoten lag Maraya vor der Schlucht. Sie war wie gelähmt. Sie hatte bereits mit dem Leben abgeschlossen und jetzt lag sie hier. Wie war das nur möglich? Langsam drehte sie ihren Kopf und erblickte Mamori.
Wenn sie ein Mensch gewesen wäre, wäre sie jetzt knallrot angelaufen. Beschämt wandte sie ihren Blick ab. Eigentlich hatte sie ja Mamori retten wollen.
"Danke..."
Sie nuschelte ihm ihren Dank zu und stand mit zittrigen Beinen wieder auf.
[Nördlicher Beginn der Wüste| Mamori und Fynora]
Für alle Neueinwanderer war es Zeit, ihren Weg fortzusetzen.
Maraya, Mamori und Fanyona hatten ihren Schrecken bald überwunden und suchten einen Weg, die Schlucht zu überqueren. Es dauerte eine Weile, doch schließlich fanden sie einen dünnen Baumstamm, auf dem sie gerade noch balancieren konnten und eine Stelle, an der die Länge des Baumstammes von der einen Seite des Abgrunds zur anderen reichte.
Mit vereinten Kräften schoben sie den Baumstamm über den breiten Spalt im Boden und balancierten Einer nach dem Anderen hinüber.
Endlich hatten sie die klirrende Kälte hinter sich gelassen und standen in der heißen Wüste.
Und wie die Berge, so neigte sich auch der Frühling dem Ende zu...
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